Hope of Desire and Reality
Von Michaela Drescher
Hope war ein Katerchen von edlem Geschlecht. Als er das Licht dieser Erde erblickte war er zart,
zarter als seine Geschwister, und hatte sehr zu kämpfen. Und wie er kämpfen konnte.
Zwar fiel es ihm zu schwer, seine Geschwister an der natürlichen Milchquelle beiseite zu drängen,
aber es waren doch auch einfach zu viele.
Den Kampf mit der Milchflasche aus Menschenmamas Hand, die gewann er täglich, ohne zu zögern.
Das Fläschchen leerte sich schneller, als bei jedem anderen Kätzchen zuvor, und Mama freute sich sehr
darüber, was ihn natürlich umso mehr anspornte. Sie massierte ihn, hielt in warm, wenn er mal wieder
am Rande des Nestchens lag und die Katzenmama mit der Aufzucht der vielen anderen ausgefüllt war,
und so wurde die Katzenmutter zur Tante und die Menschenmama zur Mama.
Hope hatte es eilig groß zu werden, denn er wollte seiner Menschenmama so schnell wie nur möglich
hinterher laufen. Er war der erste, der aus dem Nest purzelte und auf seinen kurzen, noch unsicheren
Beinchen herum krabbelte. Er sah sie, zwei Beine, zwei liebevolle Hände, zwei sprechende Augen:
Mama! und miaute lauthals seine Forderungen nach Liebe und Futter heraus.
Mama verstand, schließlich hatte sie Erfahrung mit kleinen Entdeckern. So nahm sie ihn auf den Arm
und da es Winter war, während draußen der Schnee lautlos auf die Erde viel, durfte Hope in einem
Tragetuch eingehüllt Mamas Alltag miterleben. Er war überall dabei, beim Kochen, beim Essen,
beim Fernsehen. Zuweilen probierte er auch andere Menschen aus, die seinem Charme einfach nicht
wiederstehen konnten.
Hope, der zu Anfang eher aussah, wie ein kleiner, faltiger, nackter Frosch, wollte nun ganz offensichtlich
eher einem Schwan gleichen. Zwar sagte seine Mama von Anfang an, er sei ein ganz besonders hübscher
Kerl, aber erst so nach einer Entwicklungsperiode teilten auch die anderen Menschen diese Meinung.
Hope wuchs zu einem wunderschönen Katerchen heran und Mama überlegte, ob er nicht dazu geeignet
wäre, ein Grundstein der Zucht of Desire and Reality zu werden. Während nach und nach also alle
Geschwisterchen ein schönes Zuhause fanden, hatte Hope sein festes Plätzchen im Hause of Desire and Reality.
Hope war ein richtiger Clown, er jagte im sicher eingezäunten Garten Schmetterlingen hinterher,
tobte mit seinen Tanten und Onkels durch das Haus und war im Umgang mit Menschen und Kameraden
ein Schatz. Doch dann kam der Tag, der alles veränderte.
Hope kam von seinem Gartenausflug aufgeregt hereingerannt, denn er hatte Geschirr klappern hören,
das für ihn untrügliche Zeichen, dass nun bald etwas Leckeres auf den Teller kommt. Er wirbelte um die Ecke
und blieb wie angewurzelt stehen, als er Mama auf dem Boden liegen sah. Neben ihr lag zerbrochenes Geschirr
und Hope ging ganz vorsichtig zu ihr hin und stubste sie an. Sie rührte sich nicht.
Er kletterte auf ihren Körper, aber es regte sich nur ein schwaches Herzklopfen. Hope fürchtete sich.
Immer wieder krabbelte er um sie herum, über sie herüber und legte sich am Ende an ihren Körper
eingekuschelt, und verbrachte Stunden an der Mama geschmiegt.
Es dauerte viele Stunden, es wurde Nacht und es wurde Tag. Alle Katzen im Haus hatten sich nun um Mama
herum versammelt und litten mit ihr. Sie schmiegten sich an ihren Körper, wachten über sie.
Dann klingelte es an der Tür, es wurde heftig geklopft. Nachdem niemand öffnete, konnten die Katzen hören,
dass ein Schlüssel ins Schloss gesteckt und umgedreht wurde. Die Tür wurde geöffnet. Der Nachbar!
Würde er etwas für Mama tun können? Nachdem er die Situation erkannte, griff er nach dem Telefonhörer,
um den Krankenwagen zu rufen. Vorsichtig schob er die Katzen beiseite, um sich um die am Boden liegende
Mama zu kümmern, bis der Krankenwagen eintraf und Mama mit fortnahm. Es war schnell klar,
dass sie wohl nicht so schnell nach Hause zurückkehren würde und da Hope of Desire and Reality auf seinen
ersten Ausstellungen einen sehr guten Eindruck hinterlassen hatte, weil er für Mama immer alles richtig
machen wollte und eben auch das Zeug dazu hatte, gab es nun eine Reihe an Angeboten für den schönen,
herzlichen Hope. Da Hope eine große Show-und Zuchtkarriere prophezeit wurde, und Mama nun vorerst
nicht mehr für ihn sorgen konnte, weinte Mama sehr, als sie den Vertrag unterschrieb, der ihm hoffentlich
ein schönes und erfolgreiches Leben sichern würde, das sie ihm zur Zeit nicht ermöglichen konnte.
Hope selbst war seit Mama fort war immer guter Hoffnung gewesen, dass sie wiederkommen würde
und der Nachbar hatte sich sehr bemüht Mama zu ersetzen, aber er war nicht Mama. Auch er war traurig,
als die Frau in ihrer Limousine vor der Tür hielt und mit ausschweifenden Bewegungen, die an die
unsicheren Züge eines Alkoholikers erinnern, ausstieg. Ihr Mantel wehte um sie herum, wie der Wind
des Schicksals, der uns mal hier, mal dort hin weht. Es wurde bei diesem Besuch nicht viel gesprochen.
Verträge wurden unterschrieben und viel glänzendes Papier auf den Tisch gelegt.
Urkunden und Schleifchen wurden übergeben und die Frau ließ ihren Kennel vom Nachbarn aus
ihrem Auto holen. Der Nachbar nahm eine warme, weiche Decke und Hopes Lieblingsspielzeug,
eine kleine Maus und legte beides in den Kennel. Dann nahm er ihn auf den Arm und Hope wusste,
dass nun nichts mehr sein würde, wie es war. Der Nachbar schaute ihm sehr ernst in die Augen und Hope
hörte ganz genau zu: „Mein kleiner Hope, der du die Hoffnung des Hauses of Desire and Reality bist,
benimm dich ordentlich und vergiss niemals, dass wir dich sehr lieb haben, deine Mama und ich.
Kleiner Hope, wir, Mama und ich, wünschen dir ein langes schönes Leben. Enttäusche uns nicht.“
Damit gab er Hope einen dicken Kuss auf die kleine feuchte Nase, steckte das kleine Kerlchen in den
vorbereiteten Kennel und trug ihn zu der Limousine. Die Frau lächelte beim Abschied, der Nachbar
aber schaute zur Seite, während sie sich zum Abschied die Hände gaben, denn es war ihm unangenehm,
dass er, der Kerl, nun den Tränen nahe war.
Es war die Autotür, die zuknallte und einen tiefen Schmerz in Hopes Herz hinterließ. Die Frau
sprach nicht viel. Als der Motor ansprang, versuchte er zu fliehen. Er kämpfte gegen die Gitterstäbe,
den dicken Kunststoff, er kämpfte und schrie bis er vor Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit einschlief.
Es waren viele Stunden Autofahrt gewesen und Hope wachte auf, als die Autotür aufflog und ein Mann
zu ihm trat. Die Frau hatte ihn angewiesen, den kleinen Kater aus dem Auto zu holen, um ihn
unterzubringen. Hope fror, er hatte Hunger und Durst und Sehnsucht. Der Kennel wurde
angehoben und samt Katerchen in einen gefliesten Quarantäneraum gebracht. Eine Heizung war
angestellt worden, ein Kratzbaum stand dort und Wasser und Futter waren bereits vor seiner Ankunft
vorbereitet worden. Die Kenneltür öffnete sich. Der sonst so fröhliche und schelmenhafte Hope kam
nur sehr zögerlich aus dem Kennel. Unsicher und in geduckter Haltung erkundete er den neuen Raum,
sein neues Zuhause. Er schlich durch das Quarantänezimmer, als würde die ganze Last dieser Welt auf
ihm ruhen. Als sich die Tür zum Raum öffnete, versteckte er sich, denn er war einfach nicht auf ein
neues Leben vorbereitet gewesen. Die Frau trat ein. Ohne zu zögern ging sie auf ihn zu.
Er saß in einer Zwickmühle, konnte nicht vor und nicht zurück und als die Frau die Hand forsch zu
ihm ausstreckte, sah er nur die eine Möglichkeit, fasste seinen ganzen Mut zusammen und haute
mit ausgezogenen Krallen einmal fest zu. Er spürte nur noch einen Knall. Die Frau hatte ihn
mitsamt dem Kennel, hinter dem er sich zu verstecken suchte, aus der Ecke geschubst. Nun saß er da,
hatte nur noch Angst, er zitterte und beruhigte sich erst nach vielen Stunden der Einsamkeit.
Hope sehnte sich an allen folgenden Tagen, Wochen und Monaten nach seinen Mamas, seinen Tanten
und Onkels und selbst nach dem Nachbarn und dem Hund. Den gutmütigen, alten Collie, den er doch
eigentlich immer nur geärgert hatte, aber dessen Fell so kuschelig und dessen Körper so warm war,
besonders zu zweit auf dem Sofa. Hope bekam dreimal täglich Besuch vom Mann, der ihm Futter
und Wasser brachte und den Raum und die Katzentoilette säuberte. Einmal kam sogar ein Tierarzt,
der den kleinen Hope untersuchte und bewundernd sagte: „Was für ein wunderschöner Kater!“
Da war Hope ein wenig stolz, dass er doch etwas an sich hatte, das dieser fremde Mann an ihm sah,
was gefiel. Denn Hope hatte inzwischen vergessen, was es war, was die Menschen so sehr an ihm
schätzten. Er hatte es in seiner Einsamkeit einfach verdrängt. Dann kam der Tag der Ausstellung.
Hope wurde ausführlich gestriegelt, die Krallen geschnitten, die Ohren und Augen gesäubert und
am Ende bekam Hope eine Spritze, die ihn sehr schläfrig machte. Er sah eigentlich nur einen
milchigen Vorhang, als er wieder in den Kennel gestopft wurde und er mit Mann und Frau eine
lange Autofahrt machte. Er wurde durch die tierärztliche Kontrolle geschleust, die er anstandslos
über sich ergehen ließ. Es blieb ihm ja auch nichts anderes übrig, seine Glieder waren schwer
wie Blei und sein Blick ging ins Leere. Viele Stunden saß er so in seinem Ausstellungskäfig,
während Mann und Frau Sekt tranken, anstießen und wichtige Gespräche führten.
Immer wieder wurde anerkennend genickt, wenn die Menschen in seinen Käfig geschaut
hatten und sie Mann und Frau gratulierten. Hope wurde nach einigen Stunden wieder
ein wenig lebendig und als er zur Begutachtung dem Richter vorgeführt wurde, hatte das ihm
verabreichte Mittel bereits stark nachgelassen und er wollte einfach nicht, dass dies alles mit ihm
geschah. Die Frau nahm ihn also auf den Arm, sein kleiner Körper spannte sich und sie setzte
ihn auf den Richtertisch. Der Mann tastete ihn ab, begutachtete ihn von allen Seiten und er
sprach mit ihm, ganz liebevoll, so wie Mama es oft tat. Er sah ihm tief in die Augen, und sagte,
er hätte eine große Zukunft vor sich. Die Frau nahm ihn dann zurück zu sich auf den Arm,
doch Hope wollte keine weitere Kälte, er wollte Wärme, Liebe, Geborgenheit. Und so holte er
abermals aus und hinterließ im Gesicht der Frau einen langgezogenen Kratzer, das Auge hatte
er nur knapp verfehlt. Die Frau nahm ihn nun fester an sich, so fest, dass er kaum noch
Luft bekam. Sie stopfte ihn rücksichtslos zurück in den Käfig, klemmte ihm auch noch das
Pfötchen ein, als sie die Käfigtür schloss. Sie füllte eine Spritze mit Wasser und verabreichte
ihm zudem unbemerkt ein Mittel, das ihn ruhig stellte, sehr ruhig.
Hope hatte nun nur noch eine Aufgabe. Wenn ein rolliges Katzenmädchen gedeckt werden
sollte, dann wurde es zu ihm gebracht. Und es waren viele Katzenmädchen. Nicht nur jene
aus dieser Cattery, sondern viele mehr. Hope war inzwischen zu einem großartigen
wunderschönen imposanten Kater herangewachsen, und seine Kinder hatten den ungestümen,
ungebrochenen Charakter ihres Vaters. Lauter kleine Hopes, kleine Hoffnungsträger,
die nur darauf warteten, das Leben zu erobern, mit diesem einnehmenden überzeugenden Charme.
Hope selbst aber veränderte sich fortan zusehends. Er sah aus dem Fenster und suchte
nach sich selbst. Er hatte sich verloren, er hatte sich selbst nicht mehr im stetigen Umgang
mit anderen Katzen finden können. Er tigerte im Kreis und wanderte ins Nichts.
Einige Monate wanderte er und suchte und dann fing das, was seelisch verletzt wurde an
auch körperlich weh zu tun. Nach weiteren Wochen lag er gekrümmt auf dem Boden,
Schmerzen hinderten ihn daran aufzustehen. Er lag nur da und machte auch keine Anstalten,
er gab einfach auf. Tierärzte wurden geholt, Therapie über Therapie musste er über sich
ergehen lassen, deren Sinn sich ihm nicht erschloss. Er schlief viel und es kamen auch keine
Katzenmädchen mehr zu ihm. Was hätte er auch tun sollen?
Hatte er nicht alles richtig gemacht? Er dachte zurück an das Küsschen des Abschieds.
Hatte er Mama und Nachbar enttäuscht? War sein Schicksal die gerechte Strafe?
Einzelhaft für ein Verbrechen, das er beging? Er wusste es nicht und es war niemand da,
mit dem er seine Gedanken teilen konnte.
Hope, bist du nicht die Hoffnung, die Hoffnung, dass sich diese vielen traurigen Geschichten
zum Besseren wenden würden? Es ging ihm bereits sehr schlecht, als ein Auto in die Einfahrt fuhr.
Zwei Menschen stiegen aus und er hörte ihre Schritte auf dem Kiesweg. Ein Hauch Parfum wehte
durch das Fenster zu ihm herüber. Es war etwas, das er irgendwann und irgendwo schon einmal
wahrgenommen hatte, aber er war zu schwach, darüber nachzudenken. Es dauerte einige Zeit,
dann öffnete sich die Tür zu seinem Verließ. Er hatte nicht mehr die Kraft aufzustehen, doch er sah
sie an, so durchdringend, sodass Herzen miteinander sprechen können. Mama ging auf ihn zu,
schweren Schrittes sich auf ihren Gehstock stützend. Der Nachbar stand in der Tür und schaute
ebenfalls mit Tränen in den Augen zu ihm herüber. War das der kleine Kerl, dem er alles Glück
dieser Erde gewünscht hatte? Mamas Blick wanderte über den mageren Körper, der Essen und
Trinken nicht mehr halten konnte. Das Fell war stumpf und schuppig, die Haut zerkratzt,
trocken und rissig. Hope wusste, dass viele Hoffnungen in Trümmern lagen, er wusste inzwischen,
dass solche Wege ein Ende haben und er wusste auch, dass seines nahte.
Mama nahm das Tragetuch aus ihrer Tasche und hängt es sich um. Wortlos ging sie zu Hope
herüber und lehnte ihren Gehstock an den Kratzbaum. Bestimmt nahm sie seinen Körper,
der nur noch ein Schatten seiner selbst war an sich, drückte ihn zart an ihr Herz, ließ ihn dann
in das Tuch sinken, das Tuch, das bereits die junge Hoffnung geborgen hatte.
Entschlossen nahm sie ihren Stock zurück, umschloss mit der anderen Hand schützend das Tuch
und das Katerchen. Der Nachbar ging auf beide zu und führte Mama mit Hope hinaus.
Mann und Frau standen vor den Scherben ihrer Unfähigkeit, zu dergleichen Gefühlsregungen
nicht in der Lage. Es war kein Wort gesprochen worden, und doch waren tausend Worte gesagt.
Alle Worte, die Hoffnung, Liebe, Mut und Verzweiflung ausdrücken, fanden in diesem Raum
der Herzen zusammen. Mama stieg ins Auto, das der Nachbar anließ. Der Motor heulte auf
und sie verließen diesen Ort.
Jetzt weinte Mama, sie weinte und schluchzte und verfluchte ihre Unterschrift auf einem Stück Papier,
sie verfluchte ihr Züchterdasein, das so viel Leid über ein großes und ein kleines Herz gebracht hatte.
Nachdem sie vom Tierarzt wieder ins Auto gestiegen waren, bei dem sehr viele Untersuchungen
gemacht wurden und die Unterlagen des Tierarztes der Frau studiert worden waren, herrschte
eine beklemmende Stille. Auch Hope war das Kopfschütteln des Tierarztes nicht entgangen
und auch nicht die Tränen und die Hilflosigkeit in Mamas und des Nachbarn Augen.
Als Hope in Mamas Tuch eingehüllt in sein Zuhause gebracht wurde, wurde sein Herz so leicht,
so unbeschwert, dass er versuchte aus dem Tuch zu krabbeln.
Aber seine Kräfte versagten. Mama legte ihn auf den Platz, auf dem er als ungestümer Wildfang
immer so gern gelegen hatte und brachte ihm Futter und Wasser. Aber er konnte nicht essen
und nicht trinken. Er wollte Liebe trinken und Hoffnung essen. Mama bereitete ihm eine Brühe zu
und verabreichte sie in einer Spritze. Natürlich hatte er gesehen, dass sie etwas hineintat, doch er wusste,
dass es nur zu seinem Besten sein konnte. Mama gab ihm Liebe und Hoffnung
und als Nachtisch Brühe und Medikamente. All dies erhielt er über viele Tage, doch sein Zustand
erholte sich nicht. Zu schwer waren die Verletzungen, die Enttäuschungen und zu tief hatte sich die
Hoffnungslosigkeit in seinen Körper gefressen. Mama gab ihm allerlei Unterstützungen,
die ihm halfen die Tage schmerzfrei zu überstehen. Sie trug ihn, wie damals herum,
damit er niemals mehr Einsamkeit ertragen müsse und war es ihm zu viel des Guten lag
er auf seinem Lieblingsplatz, der Hängematte auf dem Kratzbaum und wurde von Tanten
und Onkels und seiner Katzenmama geputzt und beschmust.
Es war wieder Frühling geworden, die ersten Narzissen hatten ihre Köpfe aus dem Boden gestreckt,
um die wärmenden Sonnenstrahlen zu empfangen. Mama ging inzwischen ohne Gehstock mit Hope
in den Garten, denn es ging ihr wieder sehr viel besser, seit er zurück war. Sie legten sich gemütlich
in den Liegestuhl in der Sonne, die so gut tat, auf dem kleinen und dem großen verletzten Körper.
So lagen sie da, in Zwiesprache versunken.
Eine Wolke verdeckte nur kurz den Himmel, Wind kam auf und ließ die Köpfe der Frühlingsblumen
ein sanftes Lebewohl einem kleinen Herzen zum Abschied nicken.
Mama lag noch lange da und streichelte den vorausgegangenen Hope.
Einige Wochen später erhielt Mama einen Anruf. Eine befreundete Züchterin sprach lange mit ihr
und auf Mamas Gesicht lag das erste Mal nach sehr langer Zeit wieder ein zaghaftes Lächeln.
Dann setzten sich Mama und ihr Nachbar aufgeregt ins Auto und fuhren zu ihr.
Sie wurden herzlich begrüßt und Mama staunte nicht schlecht, als sie ihn sah.
Ein Enkelkind ihres Hopes, ihm wie aus dem Gesicht geschnitten, den Schalk in den Augen,
den ebenso lässigen Gang. Sie hauchte nur: „Hope! Die Hoffnung wird niemals sterben“,
und Tränen der Gewissheit liefen ihr über die Wangen.